Meine „Hochzeit“ mit einer Zulu-Häuptlingstochter

Kategorie: Südafrika

Es gibt Erlebnisse, hätte man nicht Fotos davon, man würde es selbst nicht glauben. Also, wir waren erst einen Tag im Zululand als wir durch einen Goldminen-Ingenieur burischer Abstammung zu einer Audienz bei einem Nachfahren des legendären Zulukönigs Shaka kamen, dessen tapfere Krieger sogar den Engländern eine Niederlage beibrachten.

Da Monika und ich die einzigen Gäste waren, lud der Zuluhäuptling uns mit selbstgebrauten Bier (ein fürchterliches Gesöff, was wir alle aus einer Kalebasse schlürfen mussten) zu einer Art „Kraalparty“ ein. Monika konnte sich sehr gut mit ihm verständigen und er fand an ihr so großes Gefallen (Foto1), dass er ihr erklärte, sie zur Hauptfrau nehmen zu wollen. Ich hingegen würde eine seiner nicht verheiraten Töchter zur Braut bekommen, die alsbald auf Befehl des Vaters erschien. Scheinbar gefiel auch ich ihr, denn sie setzte sich gleich sehr vertraut zu mir. (Foto 2) Weil ich die Situation nicht richtig einschätzen konnte und von Natur aus schüchtern bin, verhielt ich mich ihr gegenüber eher reserviert, obwohl sie ganz süß war mit ihrem perlenbestickten Kleidchen. Um mich wohl ein bisschen lockerer zu machen sagte sie mir in ihrer Zulusprache mit den vielen Klick- und Knacklauten wahrscheinlich etwas Liebes direkt in mein Ohr. Seither habe ich einen noch größeren Hörschaden.

Das Schicksal nahm seinen Lauf. Wir wurden „zwangsverheiratet“!

Widerspruch wäre Majestätsbeleidigung gewesen oder Monika und ich wären im bekannten afrikanischen Kochkessel gelandet. Der Häuptling, glücklich über „seine“ Monika, ließ gleich für den Abend mit der gesamten, ungefähr 30-köpfigen Kraalsbevölkerung von der zahnlosen Großmutter bis zum 3-jährigen, bewaffneten Jungkrieger (Foto3) die „Doppelhochzeit“ ausrichten. In seinem „Thronsaal“ fand dann auch die große „Zeremonie“ statt. Furcht erregend tanzten und stampften seine Krieger bei extatischem Trommelwirbel. (Foto 4 u. 5) Der Boden bebte zusätzlich von den Donnerschlägen eines gewaltigen Gewitters draußen.

Anschließend lief der ganze „Hofstaat“ und wir (Foto 6) kurz bevor die Wasserflut vom Himmel kam, aber unvergesslich im Rhythmus afrikanischer Gesänge, die Kraalsdorfstraße hinunter zum Hochzeitsgelage mit undefinierbaren Gerichten (gebackenen Kröten oder so) in eine andere Rundhütte. Dort durfte niemand anfangen zu essen bis der Häupling seinen Segen erteilte. (Bei den sogenannten „Wilden“ herrscht noch Zucht und Ordnung.)

Als Monika und ich am nächsten Morgen gemeinsamen in unserem Wohnmobil mitten im Zulukraal erwachten (wir hatten die Erlaubnis und sogar Stromanschluss bekommen), hätten wir wirklich glauben können, es wäre nur ein Traum gewesen. Aber draußen krähten die Hähne des Zulukraals, Ziegen zogen vorbei und knackig, athletisch gebaute junge Männer im Lendenschurz, die am Abend zuvor mit grimmigen Kriegermienen für uns getanzt hatten setzten sich zu uns ins Wohnmobil und wir unterhielten uns über ihre Zukunftschancen im heutigen Afrika. Es waren alles Mitglieder einer Showtruppe, die uns eine herrliche Illusion eines stolzen, kriegerischen Zulu-Stammes gegeben hatten. Schlußendlich, ich durfte „meine“ Monika behalten und meine „Zulu-Braut“ ist Studentin an der Universität in Mhatata und mit ihrer E-mail-Adresse, die sie mir noch zugesteckt hatte, führen wir eben eine „Fernbeziehung“.

Bis zur nächsten Story aus Afrika grüßen herzlichst

Rolf & Monika

Hier noch ein kleines Video vom Hochzeitstanz: (Aufruf dauert ein paar Sekunden!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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