Bali – Gute Geister

Kategorie: Asien | Bali

Freunde, nicht das Ihr nach meinem letzten E-mail denkt, wir wären in Bali nur von bösen Dämonen umgeben. Es gibt auch viele gute Geister und Schutzgötter hier. Natürlich sehen wir sie nicht, aber die tausenden von liebevoll aus Blättern gebastelten Opferkörbchen oder -schälchen vor jeder Türe, ja sogar vor touristenfrequentierten Hoteleingängen sind unübersehbar. Sie sind mit bunten Blüten dekoriert und gefüllt mit Frucht- u. Speiseresten, hauptsächlich Reis und oft mit Räucherstäbchen versehen.

Die Geister kommen nicht selbst die Opfergaben abholen. Sie beauftragen damit Katzen und Vögel. Einmal waren es sogar Affen, als sie unsere mühsam auf einem einheimischen Markt erhandelten Mango-Früchte auf unserem Terrassentisch als Opfergaben ansahen. (Übrigens in der Mitte ist eine „Drachenfrucht“. Schneidet man sie an, läuft blutroter Saft heraus.)
 
Neben den unsichtbaren Geistern gibt es jede Menge sichtbare Geister und Götter/innen. Natürlich phantasievoll in Stein gehauen. Mit verschiedenen Funktionen. Am augenfälligsten sind die immer zur Abwehr missliebiger Eindringlinge zähnefletschenden Schutzgeister, weil sie fast vor allen Türen und Portalen stehen. Auf diese Weise ersparen sich die Balinesen die Securitie-Polizei oder bissige Wachhunde.
Die Haus-Schutzgeister im Inneren werden sehr liebevoll behandelt. Oft angezogen mit Turban und dem heiligen schwarz/weißen Sarong, welcher angeblich Gut und Böse flächenmäßig in ausgeglichner Form symbolisieren soll. Mit Opferschälchen im Arm und wie diesem Haus-Gnom sogar mit Sonnenbrille (linkes Foto) geht es den Hausgeistern vergleichsweise besser, als denen die außerhalb des Hauses ihre Schutz- und andere Dienste verrichten müssen.
Um mein Karma zu verbessern habe ich der wasserspendenden Halb- oder Ganzgöttin (mittleres Foto) vor unserem Bungalow jeden Morgen frische Blüten auf ihr Haupt getan. (Findet Ihr nicht, sie scheint es mir mit einem wunderschönen Lächeln zu danken?) Ganz oft sieht man hier den Brückenschutzgott (rechtes Foto) und zwar immer gleich viermal auf jeder Brücke. Ich denke, man könnte bei uns viel Baumaterial und hohe Brückensanierungskosten sparen, wenn man den Hl. Nepomuk öfter aufstellen würde. Wir sind hier immer gut über die Brücken gekommen, auch wenn ich den reißenden Fluss unter mir durch die fehlenden Bodenbretter sehen konnte. Erwähnenswert sind auch die Verkehrs-Geister. An großen Kreuzungen regelt ein ganzes Team von Geistern und Halbgötter zusammen gefaßt zu einer riesigen Statue (Foto) den Verkehr. Erstaunlich gut sogar. Wir haben noch keinen Unfall gesehen. 
 
Man kann Geister auch mit Leckerli und Bonbons bestechen. Dann beschützen sie den Spender noch besser und helfen von Dämonen versteckte Dinge schneller wieder zu finden. Als Moni ihre Visa-Karte vermisste, gab uns unser einheimischer Fahrer mit Geister-Insiderwissen, den Rat einen Opferaltar anzulegen. Weil Geister ganz scharf auf „Sweeties“ nach seiner Aussage seien, habe ich mein letztes Eukalyptus-Husten-Bonbon aus Stuttgart dafür geopfert. Moni hat es stilvoll zwischen weißen Blüten auf einem grünen Blatt dekoriert. Dazu einen von einem Sanskrit-Gelehrten geschriebenen Kalender, in dem wir endlich erfuhren, welcher Gott und welcher Dämon für uns (Juni/Juli-Geborene) auf der Insel zuständig ist. Das Bonbon ist zwar noch nicht abgeholt worden, höchstens hat der Geist daran gelutscht, weil es sich plötzlich ganz „schlonzig“ anfühlte. Aber, o Wunder, Monika hat überraschend ihre VISA-Karte am selben Tag in der Tasche wiedergefunden, worin sie schon ein dutzend mal gesucht hatte. ???
Meine eigenen Erfahrungen mit guten Bali-Geistern sind ebenfalls sehr positiv. Einmal hatte ich meine Hörgeräte, die teurer sind als unsere gesamte Reise, auf einem Tisch am Hotel-Pool zum Schwimmen abgelegt. Ein heftiges Gewitter zwang uns aus dem Pool aufs Zimmer zu flüchten. Als ich nach einer Weile meine Hörgeräte vermisste, war trotz eifrigen Suchens auf und unter dem Pool-Tisch nichts zu finden. Zurück vom Abend-Dinner lagen meine Hörgeräte – als hätte es nicht sintflutartig geregnet – trocken auf meinem Nachttisch !? Ich erinnere mich, ich konnte am Morgen dieses Tages gerade noch einer Opferschale ausweichen, die vor dem Hoteleingang aufgestellt war.
Nach meinem folgendem Erlebnis glaube ich sogar an gute Geister in Menschengestalt. Abgelenkt durch ihr strahlendes Lächeln in einem Hotelfoyer in Kuta übersah ich eine Stufe und flog geradewegs in die ausgebreiteten Arme einer hübschen, livrierten Empfangsdame. Verlegen – mein Gesicht noch in den weichen Rundungen ihres Brustbereiches – versuchte ich witzig zu sein: „I learn to fly.“ Genau so geistesgegenwärtig wie sie mich aufgefangen hatte, entgegnete sie: „But you have no wings“. Ist das nicht ein eindeutiger Hinweis die Bekanntschaft mit einem auf Erden wandelnden Engelswesen gemacht zu haben?
Geistig beflügelt und entfesselt von grafischen Vorgaben nicht mehr darauf achten zu müssen, ob Fotos und Text auf eine A4-Seite passen und „semantische“ Satztrennung außer Acht lassend, ist es inhaltlich weit mehr als ein angekündigtes Kurzmail geworden. Hoffe trotzdem, meine Geistergeschichten aus Bali haben Euch nicht gelangweilt.
Aus einer durch und durch vergeisterten Welt immer zwischen Ying und Yang balancierend
grüßen
Rudi & Moni

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