Vielen, vielen Dank liebe Freunde, für eure Weihnachtsgrüsse und Wünsche zum neuen Jahr. Weihnachten ist allerdings vorbei.
Bleibt uns nur euch ein gutes und gesundes 2016 zu wünschen, sofern ich mal wieder Zugang zum weltweiten Netz habe.
Im Anhang ist eine pdf.Datei: „KleineDinge“ mit einem Foto von unserem „Gabentisch“ am Hl. Abend und ein paar „dankbare Gedanken“, dass unser bisheriger Reiseablauf ohne größere Komplikationen ablief.
Denjenigen, die unsere Reise nach unserem Reiseplan mitgoogeln oder sich im Google Earth als Überflieger die Landschaft in der wir uns gerade befinden von oben anschauen und uns schon wegen der Aussicht die wir über den Lago General Carrera – den größten See Südamerikas – auf ein prächtiges Bergpanorama von unserer Hl. Abend-Unterkunft beneidet haben, möchte ich sagen: Es war alles noch viel eindrucksvoller, als es die Fotos im Internet vermitteln können! Obwohl es mir dauernd im Finger juckt auf den Auslöser zu drücken, habe ich es aufgegeben diese großräumige, ursprüngliche Landschaft zu fotografieren, weil sie sich einfach nicht in einem flachen Foto einfangen lässt. Ebenso geht es mir mit den blühenden Straßenrändern, die uns seit dem Ende des Regenwaldschungels im Norden der Carretera Austral begleiten. Es ist unmöglich diese Blütenpracht von Lupinien in allen Farbschattierungen, dunkelroten Fingerhüten, gelben Ginsterbüschen und riesigen, rosa Buschwindröschenhecken – möglichst noch vor einem blauen See oder weißen Gletscher im Hintergrund – mit einem befriedigendem Ergebnis zu fotografieren. Außerdem ist das Stehenbleiben auf der engen, oft einspurigen Panamericana ein bisschen lebensgefährlich. Wirklich, man muss diese Straße selbst „erfahren“ um einen Eindruck von dieser einsamen, gigantischen Welt hier zu bekommen.
An dieser Stelle möchte ich auf Fragen von Freunden eingehen, die die „Traumstraße“ als nächstes Reiseziel ansteuern möchten. Die chilenische Reiseagentur kann man unter www.protourschile.com erreichen. Es gibt deutschsprachige Mitarbeiter. Wir wurden schon am Flughafen in Santiago von netten, jungen Chilenen mit „deutschen Migrationshintergrund“ empfangen. Für die Reise auf der Panamerica wurde uns ein dickes Paket Straßenkarten und viele Informationen über Sehenswürdigkeiten, Streckenführung, sowie die Adressen samt GPS-Koordinaten der Unterkünfte in die Hand gedrückt. Wir können uns sogar – sofern es Internet gibt – mit einem Passwort bei Protours einwählen um aktuelle Straßensperrungen zu bekommen. Wie wir selbst schon erfahren haben, ist die Panamericana höchst lebendig. Wo vor einer Stunde noch eine Straße war, gähnt plötzlich ein Abgrund oder Steinschlag sowie Erdbeben und Vulkanausbrüche machen die Straße ebenfalls für mehrere Tage unpassierbar. Natürlich kann die Reiseagentur nichts dafür für solche Missgeschicke. Die Agentur bemüht sich aber, indem sie immer die Vulkanspitzen rundrum mit Schlagsahne bestreicht, jeden Morgen die Berge mit Puderzucker bestäubt oder die Seen mit chemischen Anilinfarben in nochniegesehene, leuchtende Blaugrüntöne färbt (wie sie in der Natur eigentlich nicht vorkommen), uns die Reise in Chile unvergesslich zu machen. Nur einmal hat uns die Reiseagentur in helle Aufregung versetzt. Das Flugzeug, welches uns von Santiago in die chilenische Schweiz bringen sollte war überbucht und die Mietwagenübernahme und der folgende, stramme Reiseprogrammablauf geriet in Gefahr. Dank Monikas Androhung den Flughafendirektor abzusetzen, notfalls gegen die Regierung zu putschen bekamen wir noch innerhalb der Eincheck-Zeit sogar unsere von der Agentur reservierten Sitzplätze.
Ja, und solltet ihr euch für die Panamericana-Tour entscheiden, wäre es gut Freunde, wenn ihr Ralley-Erfahrung mitbringt. Unser Alltag auf der größtenteils naturbelassenen (Alptraum)-Straße schaut so aus: Da ich ja nur wenig in der Staubfahne von meinem Vordermann von der Umgebung mitkriege, ist es sehr hilfreich, dass mir Monika aus ihrem „Gebetbuch“ – so heißt es in der Ralley-Sprache – aus dem ChileProtours-Kartenmaterial auf ihrem Schoß alle Besonderheiten der Strecke lautstark ankündigt, weil die Schottersteine, die an unser Bodenblech prasseln und das Rattern über Wellblechpisten so laut ist, dass eine normale Unterhaltung unmöglich ist. Jetzt weiß ich, warum Ralleyfahrerteams eine Sturzhelm-Funksprechanlage besitzen. Die Funktion meiner Beifahrerin ist auch wichtig, da eine kleine Unaufmerksamkeit dazu führt, das wir unnötige Kilometer machen und vielleicht unser tägliches Etappenziel nicht erreichen. Manchmal sind es die winzigen Schilder zu den Abzweigungen unserer Unterkünfte, die wir übersehen oder wir folgen der Staubfahne eines Farmers bis es auf seinem Grundstück nicht mehr weitergeht, nur weil die Panamericana manchmal von einem Feldweg nicht zu unterscheiden ist. Denkt man beim Start an einem Regentag keinen Staub schlucken zu müssen, gibt es andere Überraschungen. Die vielen Schlaglöcher haben sich mit einer braungelben Brühe gefüllt. Entweder ist es der entgegenkommende Wagen oder man selbst hat keine Möglichkeit der Riesenpfütze auszuweichen, schon ergießen sich Kübel von Lehmwasser über die Windschutzscheibe. Bis die Scheibenwischer freie Sicht ermöglichen sind es manchmal nur noch ein paar Zentimeter zum Abgrund oder zur Felswand. Ideales Reisewetter ist Nieselregen. Der Staub verwandelt sich zu Schmierseife und ich kann wie ein richtiger Ralleyfahrer so schön mit quergestellten Wagen durch die Kurven rutschen oder fachsprachlich „driften“. Das Dumme ist nur, dass die Panamericana wie bei einem richtigen Rennen nicht einseitig gesperrt wird und die entgegenkommenden Autos das „Driften“ mehr oder wenig unfreiwillig auch ausprobieren. Unbeeindruckt von meinen Kampf überhaupt auf der glitschigen Straße zu bleiben, liest mir Monika aus dem Reiseführer vor, dass man von hier aus einen guten Blick auf den höchsten Berg Chiles hat. Bekanntlich hängen bei Nieselregen die Regenwolken sehr tief und ich nicke nur genervt.
Liebe Freunde, wollt ihr wirklich die Panamericana oder Carretera Austral wie der chilenische Streckenabschnitt benannt ist, nach meinen Schilderungen noch machen? Es gibt auch bequeme Kreuzfahrt-Schiffsreisen um das Kap Horn mit geführten Ausflügen durch Patagonien und Feuerland.
Das unfreiwillige Panamericana-Ralley-Team
Rudi & Moni
PS.: Ein Foto von der Blütenpracht am Straßenrand hänge ich noch an:

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