Hallo Freunde, wir wollten uns noch mal vom „Fin del Mundo“, vom „allerwertesten“ Ende der Welt melden.
Auf der letzten – laut Reiseprogramm – 240 km langen Tagesetappe schlug das Schicksal zu. Wir haben unser Ziel nicht erreicht!
Wir, die wir schwindlig, hohe Andenpässe bezwungen, in der Pampas durch riesige Schaf- und Rinderherden gekämpft und zuletzt in Feuerland den hochwasserführenden Rio Grande auf einer lebensgefährlich morschen, halb eingestürzten Holzbohlenbrücke überquert haben, sind an einer einzigen Zahl gescheitert. Der Grund war ein Tippfehler im Mietvertrag der Autoverleihfirma Hertz. Der war am 6.1. statt am 16.1. abgelaufen und ein aufmerksamer Beamter an der argentinischen Grenze hat es bemerkt. Ja, so etwas passiert halt den „Selbstfahrern“. In diesem Moment beneidet man die geführten Reisegruppen, deren Kleinbusse an uns vorbei staubten, während wir an der Grenzpolizei im eisigen, patagonischen Sturmwind stehend, Stunde um Stunde hofften, die korrigierten Papiere per E-Mail noch am selben Tag zugesandt zu bekommen. Da es aber ein Sonntag war, hieß es nur immer „manana“. Jetzt haben wir dieses Wort grenzwertig und grenzortig selbst kennen gelernt. Da unsere Reiseagentur und die Firma Hertz nicht garantieren konnten, dass die neuen Papiere anderntags bis zur Mittagszeit eintreffen, brachen wir die Reise zum letzten Zipfel Südamerikas enttäuscht ab. Wir sind jetzt in Feuerland in einer Fährhafen-Hosteria „unterster Kategorie“ gestrandet und hoffen mit einer selbstorganisierten Fähre in Punta Arenas wieder Anschluss an die Zivilisation und an unser restliches Reiseprogramm zu bekommen.
Wenn wir auch das Pech hatten unser Ziel nicht erreicht zu haben, so können wir trotzdem froh sein, mit unserem 4WD Nissan x-trail fahrtechnisch problemlos bis Feuerland gelangt zu sein. Es gab auf der 4500 km langen Route genügend liegen gebliebene oder unfallgeschrottete Wagen am Straßenrand. Ich gestehe, ich habe das Armaturenbrett unseres Wagens öfter gestreichelt als Monika, nur damit das Auto auf diesen schlaglochübersäten, Wellblechschotterstaubpisten, die einem die Seele aus dem Leib rütteln, durchhält. Insofern gibt es ein Glück, dass nichts schlimmes passiert ist, es gibt aber auch ein Glück, wenn schöne, unerwartete Ereignisse eintreten. Von einigen glücklichen Momenten auf dieser Reise berichte ich in meiner angehängten pdf-Datei: „Glücksmomente“.
Enttäuscht, so kurz vor dem Ziel aufgeben zu müssen, aber auch „beglückt“ von vielen schönen Erlebnissen
grüssen aus dem eiskalten Feuerland, wo sich nur Pinguine wohlfühlen, die schockgefrorenen
Rudi & Moni

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Argentinien – Mittellos in der Pampas
