Wo 1. April drauf steht, liebe Freunde, muss nicht zwingend der ganze Inhalt eine Mogel-Packung sein. Wir sind tatsächlich in Costa Rica. Und die deutsche Bäckerei könnt Ihr unter: „costa rica german bakery“ googeln. Nur die Rindviecher mit den ungleichen Beinpaaren habe ich zum 1. April nach einem netten Gespräch mit dem Allgäuer Bäcker erfunden. Jedenfalls vielen Dank für Eure witzigen und phantasievollen Antworten. Wir werden die Anfrage von Norddeutschland nach Kühen mit den hangseitig verkürzten Beinpaaren, speziell geeignet auch für die extrem steilen Deichneigungen an Monikas Bruder – der bei der Zucht angeblich mitgewirkt hat – weiterleiten.
Für die Freunde, die wegen der „Vulkan-Steilwiesen-Kühe“ glauben die ganze Reise sei ein Aprilscherz, beteuere ich ganz ernsthaft in Costa Rica zu sein. Also Werner, ich bin so was von entsetzt, dass du mir zutraust, ich hätte Fotos von der Patagonien-Reise verwendet! Wenn es bei uns in Stuttgart vor vier Wochen auch so schön gegrünt und geblüht hätte, wie jetzt bei Dir in Ingelheim, wären wir gar nicht auf den Gedanken gekommen zu verreisen. So rafften wir uns auf, aus unserem stark strukturierten, prämortalen Wohnzustand auszubrechen und der winterlichen Kälte wieder zu entfliehen. Da unser ursprüngliches Reiseziel CUBA bis Mai ausgebucht war, fanden wir im Internet die ideale Reise: „Als Selbstfahrer Costa Rica entdecken“ mit täglichem Reisebeginn! (Foto anbei). Jetzt haben wir hier von beidem – Wärme und pures Leben – mehr als genug: „Muy caliente y pura vida“.

Kein verspäteter April-Scherz!!!
Zombie-Attacke – Gedanken zur Mentalität der Latino-Autofahrer: Wir stehen mit unserem japanischen 4WD-MiniSUV-Mietwagen eingekeilt zwischen zwei riesigen Schwerlastwagen im dichten Nebel im Regenwald auf einem der Pässe der berüchtigten Panamericana in den mittelamerikanischen Cordilleren von Costa Rica. Überall tropft und trieft es von den Bäumen und Farnen und im Straßengraben wälzt sich eine braune Brühe zu Tal oder ergießt sich unvermittelt in den gähnenden Abgrund, wenn wieder mal ein Stück Straße einfach weggebrochen ist. Bei Sonnenschein würde man von hier oben aus über 3000 m Höhe – höher als Deutschlands höchsten Berg, die Zugspitze – die schönsten Ausblicke auf den Pazifik und das Karibische Meer gleichermaßen genießen können,heißt es im Reiseführer. Es steht aber auch drin, dass man meist – spätestens ab Mittag – mit einer dampfenden Waschküche in dieser Höhe rechnen muss.
Seit einer gefühlten Ewigkeit stehen wir im Stau. Mir fällt auf, dass auch auf der Gegenseite der Verkehr zum Erliegen gekommen ist. Keiner der Monster-Tracks mit den verchromten Auspuff-Säulen rechts und links hinter dem Fahrerhaus quält sich in dunkle Abgaswolken gehüllt den Pass hinauf. Mögen auch die Reifen keine Rillen mehr aufweisen und das Fahrzeug ungepflegt, verbeult und runter gekommen ausschauen, die verchromten Auspuff-Säulen scheinen einen Art Status-Symbol der Panamericana- Fernlastfahrer zu sein. Während ich dies denke, war der Truck-Fahrer vor mir ausgestiegen und umrundete prüfend sein Fahrzeug. Als er vor meinem Auto steht, steige ich auch aus und versuchte von ihm zu erfahren, was der Grund unseres Aufenthalts sein könnte. Nach seinem dunklen Teint und seiner schwarzen Lockenpracht schien er ein typischer Tico zu sein, also ein einheimischer Latino. Auf meine Frage: „Aquí es un construcción de carreteras?“ – ich dachte an die bis zu einem halben Tag dauernden Straßensperrungen bei Reparaturen der Panamericana in den Südchilenischen Anden auf unserer Fahrt vor über einem Jahr – kam zunächst keine Antwort. Auf einmal blitzte es in seinen schwarzen Augen auf und er stieß zwischen seinen letzten Zahnstummeln hervor: „Zombies han atacado!“ bevor er wieder in sein Fahrerhaus kletterte. Zuerst wußte ich nicht, ob er mich als weißen Gringo schockieren wollte, erinnerte mich aber, während meiner Segelaufenthalte in der Karibik – wenn etwas schief lief oder ein Unglück passierte, immer waren die Zombies, die Untoten daran schuld. Mit Schaudern erinnerte ich mich auch, wenn wir in den karibischen Buchten vor Anker lagen, an die dumpfen Trommeln in der Nacht, welche die Untoten vertreiben sollten. Und wie ich auf einer Dschungelinsel vor Venezuela inmitten von Einheimischen an einer unheimlichen Voodoo-Feier teilnehmen durfte, bei der einem buchstäblich das Blut in den Adern gefror.
Also die Zombies sind Schuld, resümiere ich, noch lange auf der nicht mehr pulsierenden Lebensader stehend, die zwei Kontinente verbindet. Typische Tico/Latino-Denke: „Habe ich den Rosenkranz am Rückspiegel hängen und die Madonna-Figur am Armaturenbrett kann ich selbst bei doppelt durchgezogenen Leitlinien und kurz vor Kurven überholen, plötzlich abbiegen oder ohne Grund stoppen – es wird mir schon mit „himmlischer Hilfe“ nichts passieren. Wozu brauche ich im dichten Nebel das Licht anmachen? Der andere Verkehrsteilnehmer soll selber aufpassen. Als spanischer Macho habe ich jederzeit Vorfahrt. Ein Vorausdenken was sich aus einer unübersichtlichen Verkehrssituation ergeben könnte, habe ich nicht nötig. Ich reagiere dafür schneller als alle anderen. Diejenigen deren Kreuze in den Kurven am Abgrund stehen (in Costa Rica konnte nur ganz selten Leitplanke sehen) oder deren Autos in den Straßengräben liegen, haben sich eben von Zombies ablenken lassen“. Die Zombies legen auch unvermittelt Hindernisse auf die Straße, lassen Reiter auf dicht befahrenen Strassen galoppieren, sie ruinieren die Bremsen und Getriebe. Wenn was passiert – die Zombies sind schuld, nie die eigene menschliche Unzulänglichkeit!
Endlich geht es wieder weiter. Die Zombies hatten tatsächlich zugeschlagen. Auf der Weiterfahrt sehen wir einen Truck, dem seine Ladung Kabeltrommeln in einer Kurve von der Ladefläche auf den Gegenverkehr gerollt waren. In Chile waren es große Betonteile, die der LKW vor uns in der Kurve in den Straßengraben schleuderte, als ich zum Überholen ansetzte. Was hier mit den Insassen der demolierten Autos auf der Gegenspur passiert ist, wissenwir nicht. Toll, wie die Truckfahrer ihre kraftvollen PS-Protze beherrschen – von Fliehkräften und Ladeabsicherung haben sie wenig Ahnung.
In einer der nächsten Posadas – bei uns würde man sagen „Fernfahrer-Raststätten“ – machen wir Halt. Als wir als Touristen erkannt werden, laden uns die teuflisch wild aussehenden Trucker-Fahrer, die uns vorher mit ihrem Rückspiegel füllenden riesigen Kühlerhauben auf engen Dschungelstraßen vor sich her hetzten, auf einmal wie liebenswürdige, lustige „Jungs“ zu einem wirklich guten, am Tisch handzubereiteten Costa-Rica-Café ein.

Freunde, für heute beschließe ich meinen Reise-„Blog“. Es gibt außer von Zombies noch viel Schönes und Interessantes aus diesem Land zu berichten.
Bis zum nächsten Mal,
hasta la vista
„
