(Über)lebenszeichen von den Azoren!

Kategorie: Karibik | Mittel-Amerika

Nach drei Wochen „Schräglage“ und „Schaukelei“ endlich auf den Azoren, das ersehnte Zwischenziel aller Atlantiksegler, angekommen!

Hallo, liebe Freunde,

möchte euch heute nur mitteilen, dass ich die größte Wegstrecke (ca. 4500 km zwischen der Karibik und den Azoren) der Atlantiküberquerung gesund, aber ziemlich mitgenommen überstanden habe. Da auch unsere „Tetiaro“ (unsere nur 15 m lange Segelyacht, benannt nach einer Insel aus der Südsee, die einmal dem Filmschauspieler Marlon Brando gehörte) beim Durchbruch der Sturmtiefkette oberhalb des 30igsten Breitengrades sehr gelitten hat, müssen wir wohl mit einem längeren Aufenthalt auf den Azoren wegen der Reparaturen rechnen.

Warum ein einziges kaputtes Teil einer Hightech-Segelyacht zum Desaster führen kann und wir kaum manövrierfähig mit der Sturmlaterne und Kompass hier im Hafen von Horta eingelaufen sind, davon berichte ich in den nächsten Tagen, wenn ich mich von den Strapazen der letzten Woche einigermaßen erholt habe. Bis dahin weiß ich hoffentlich, ob ich die Reise über Gibraltar nach Italien (Elba) mit dem Schiff überhaupt fortsetzen kann. Seid also bitte nicht enttäuscht, dass ich euch wiederum vertröste (auch mit den angekündigten Themen), aber ich habe so viel erlebt und so viele Bilder im Kopf, dass ich momentan noch nicht weiß, wie ich anfangen soll, das alles in Kurzform zu beschreiben.

Nebenstehend das Foto von unserer reduzierten 4-Kopf-Mann(wirt)schaft unmittelbar nach unserer Ankunft im Hafen von Horta. In der Mitte Kurt unser Kapitän aus Bayern, zu seiner Rechten Heinz, ein Hotelier aus Sachsen, ich im gelben „Friesennerz“ aus dem Schwabenländle zur Linken und vorne der Spanier Alexandro aus Mallorca. (Die Köchin und Segellebenspartnerin des Kapitäns musste schon in der Karibik wegen dreier gebrochener Finger nach Deutsch- land zurück fliegen und ein anderes Crewmitglied konnte auch krankheitsbedingt die Reise am letzten Tag doch nicht antreten.)

Es grüßt euch ganz herzlich euer diesmal auf den Azoren gestrandeter Seevagabund Rüdiger, Rolf, Rudi (oder Don Rolf, wie mich unser jüngstes Crewmitglied, ein 20-jähriger Spanier, manchmal angesprochen hat)

PS.: Danke euch allen, die mir inzwischen in Gedanken die Daumen gedrückt haben, sowie für die Ladungen voll positiver Energien und für die lieben Glückwünsche, die mich während meiner ungewöhnlichen Reise begleitet haben, wie ich aus den vielen E-Mails und SMS´s nach meiner Ankunft in der Hafenstadt Horta ersehe.

Habe mir bereits ein Zimmer in Hafennähe genommen und hoffe hier, während das Schiff ins Trockendock muss, all euere lieben Mails, die ich mir im Internetcafe immer gleich ausdrucke, endlich bald ausführlicher beantworten zu können. Bitte um Geduld, vor allem meine neugierigen Leserinnen der Berichte, welche einiges aber genau hinterfragen. J

Gut, dass es draußen stürmisch und kalt ist und der tropische Blasebalg, der mir in der Karibik dauernd mein Lebensfeuer hell entfacht hat, hier nicht mehr so stark pustet. War ja auch nicht mehr auszuhalten, ständig vom wahren Leben überholt zu werden. (Oder ähnlich beim Segeln: Kaum denkt man richtig am Kurs zu liegen, dreht der Wind und die Segel müssen wieder neu gesetzt werden) Also bis bald!

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