1. Lebenszeichen aus der Karibik

Kategorie: Karibik

Hallo Kinder und Anhang, hallo liebe Freunde und Bekannte,
vielen Dank für die SMS und E-mails, die ich inzwischen erhalten habe. Gerne würde ich die vielen Fragen zu meinem neuen Seemannsleben ausführlich beantworten. Leider lässt mir mein neuer Job nach einer Blitzkarriere vom Schiffshelfer zum Schiffsführer auf der Hochsee-Segelyacht Barbarella (techn. Daten am Mail-Ende) keine ruhige Minute mehr. Der bisherige Schiffsführer musste in einer dramatischen, nächtlichen Rettungsaktion wegen Verdacht auf Herzinfarkt von der Seenotrettung ins Krankenhaus gebracht werden. Ich habe dann die Yacht trotz teilweisem Ausfall der Bordelektronik und der rechten Motorwelle wegen eines Fischernetzes, alleine mit 8 Gästen an Bord in den English Harbour auf der Karibik-Insel Antigua gesegelt. Anbei ein Karibik-Kartenüberblick und ein Ausschnitt mit den kleinen Antillen-Inseln Saint Lucia, wo ich gestartet bin und Antigua, wo ich gerade bin.


Gut, dass ich in den 14 Tagen vorher die Segelyacht zwischendurch selbst steuern durfte und die vielen modernen Bordgeräte dabei kennen lernen konnte. Inzwischen ist der Eigner der Yacht aus Österreich eingeflogen und das Schiff wurde repariert. Scheinbar habe ich meinen Job so gut gemacht, dass ich solange der alte Skipper sich von seinem schweren Kreislaufkollaps nicht erholt hat, weiterhin Schiffsführer sein soll. Die neuen Gäste sind auch schon eingetroffen und wir laufen morgen zum nächsten 14-tägigen Törn über mehrere andere Inseln zur französisch/niederländischen Zielinsel St. Martin in den nördlichen, kleinen Antillen aus.
Da ich noch heute zusammen mit der Köchin den ganzen Papierkrieg bei den Hafenbehörden (ein- u. ausklarieren der Gäste, Abmeldung, Liegegebühren, alles auf englisch) machen muss und nicht weiß, wie lange das Internet-Café geöffnet hat, mache ich für heute Schluss. Ach ja, die Frage zur Gesundheit noch. War trotz mehrerer Sturmfahrten noch kein einziges Mal seekrank. Mir geht es bestens und ich werde von der Hamburger Köchin an Bord (65 Jahre, aber eine irre Reggaetänzerin und Karibikerfahren,) mehr als genug verköstigt. („Junge“ sagt sie zu mir Gleichaltrigen „datt du mir nich von Kräften kommst“).

Hier noch Fotos von der großen 2-Mast-Hochseeyacht „Barbarella“, von mir als Skipper Rolf (so haben mich die Gäste benannt) mit der obligatorischen Skipper-Brille, von meinem meist „schrägen Arbeitsplatz“ und von meiner Aussicht aus dem Steuerhaus auf das Wind gepeitschte Meer. Beim nächsten Bericht werde ich dann mehr über Land und Leute berichten.
Ahoi, mit lieben Grüssen, Rüdiger.

PS.: Bekomme gerade ein SMS, dass ihr Minusgrade in der Heimat habt. Wir haben hier ständig 30° und selbst in der Nacht kühlt es nicht unter 26° ab. Ein Grund mehr in der „Sternen-Suite“ (ist nicht im Schiffsplan verzeichnet!) zu schlafen. Die Suite ist das Oberdeck und wunderschön, wenn die Sterne des karibischen Nachthimmels zum Greifen nahe um die Mastspitze tanzen. An dieser Stelle noch einen lieben Gruß an dich Nadja. Habe ich das mit den Sternen nicht schön gesagt? Ich werde nicht nur die Sonnenuntergänge mit deiner Gitarrenbegleitung, sondern vor allem deine Unterstützung beim Segeln auf dem nächsten Törn sehr vermissen. Anbei ein Foto, wie du an der Winsch kurbelst und nach dem Stand der Segel schaust. Vielen Dank für deine Schulung am Sextanten und in den konventionellen Peilarten. Danke auch für dein News-Mail von Bermuda. Schade, dass es dir auf dem neuen Schiff nicht gefällt, aber die Erlebnisse auf der „Barbarella“ und auf den Landgängen mit den jungen Gästen in den letzten 2 Wochen auf den karibischen Inseln lassen sich schwerlich „toppen“. Wünsche dir weiterhin guten Wind bei all deinen Unternehmungen und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel. LG Rolf.

Nadja, eine junge 27 jährige Bootsbauerin von der Waterkant, habe ich in ihrer Hamburger Schiffzimmermanns-Tracht im Ausgangshafen von St. Lucia getroffen, als sie dort die Yachten aus aller Welt abklapperte um einen Anschluss-Törn gegen Mitarbeit („hand for koje“, wie ich es bereits im Internet gefunden hatte) zu bekommen. Sie wurde dann für Ausbesserungsarbeiten von meinem Skipper angeheuert. Mit ihrer Segelerfahrung auf den Weltmeeren haben wir zur größten Besorgnis des Skippers, aber unter Beifall der Gäste, die Barbarella manchmal unter „Vollzeug“ d.h. alle Segel gesetzt, bis zu 40° Schlagseite, durch die raue See gepflügt. Ist das ein Hochgefühl, wenn die Winschen knarren, der Wind in den Wanten heult und die Takelage ächzt und stöhnt!

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    (Über)lebenszeichen von den Azoren!