Hallo Freunde, habt Ihr schon mal geträumt Ihr könnt einer schlimmen Situation nicht entkommen oder Ihr tretet auf die Bremse und der Wagen fährt trotzdem weiter? So einen Albtraum erlebte ich auf dem Nachtrückflug von Atlanta (USA) nach Stuttgart. Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Wegen starker Schmerzen besonders im linken Schulterbereich konnte ich schlecht schlafen. Weil ich Monikas Schmerztablette nicht ohne Wasser einnehmen wollte, bat ich eine Stewardess im hinterer Küchenbereich des Flugzeugs mit der Tablette in der Hand um einen Plastikbecher mit Wasser. Nichtahnend was ich damit in Gang setzte, beantwortete ich ihre Fragen wo meine Schmerzen seien und wie alt ich sei. Im nächsten Moment rief schon eine weitere, der zahlreichen Flugbegleiterinnen eines Großraumflugzeugs über die Bordlautsprecher nach einem mitfliegenden Arzt. Obwohl ich ihr heftig abwinkend zu verstehen geben wollte, dass es bestimmt nicht nötig sei. Mein Sportler-Herz – laufend duchgecheckt – ist noch eines der am wenigsten geschädigten Organe meines Körpers. Überall im abgedunkelten Flugzeug gingen an den Sitzplätzen die Lichter an. Kurz darauf erschien ein Kleiderschrank von einem Mann, der sich als Chefarzt einer Psychoklinik aus Cincinnati vorstellte. Freundlich, aber bestimmt wurde mein Blutdruck gemessen. Ihr könnt Euch denken, dass dieser bei all der Aufregung nicht im Normalbereich war. Ich kam gar nicht dazu ihm zu sagen, dass ich in meinem Handgepäck Tabletten gegen zu hohen Blutdruck habe, als er einer Stewardess die Anweisung gab, über den Piloten bei der Landung in Stuttgart den Notarzt an Bord zu rufen. Wieder wollte ich dagegen protestieren. Ich hatte aber mal gehört, je lauter man bei einem Psychoarzt behauptet man sei nicht krank, bzw. bekloppt umso mehr hat man die Chance in die „Geschlossene“ eingeliefert oder in meinem Falle gleich in Stuttgart mit einer Zwangsjacke abgeholt zu werden. Also ergab ich mich meinem Schicksal und ließ mir sogar eine übelriechende Gummimaske über Mund und Nase drücken. Die kleine, dazugehörige Sauerstoffflasche musste ich auf einem Abfalleimer sitzend zwischen die Knie klemmen. In diesem Zustand fand mich Monika, die sich über meine lange Abwesenheit vom Platz gewundert hatte. Mit der Sauerstoffmaske im Gesicht konnte ich sie schlecht beruhigen und ihr sagen, dass das alles unnötig sei, weil es mir eigentlich gut ginge. Was der Arzt ihr aber in Englisch sagte, konnte ich nur an ihren schreckensgroßen Augen erraten.
Irgendwann war das Flugzeug gelandet und ausgerollt. Die Passagiere waren aufgestanden ihr Handgepäck herunter zu holen als die Durchsage kam: Alle Platz nehmen! Der Medizinische Dienst müsse erst einen Patienten von Bord holen. Aus der Bordküche konnte ich sehen wie sich alle fast 300 Passagiere wieder brav hinsetzten, aber einige genervt in meine Richtung schauten. Kurz darauf eine neue Durchsage: Die Passagiere können das Flugzeug normal über den vorderen Eingang verlassen. Im selben Moment klappte die hintere Kabinentüre auf und drei voll ausgerüstete Sanitäter stürmten in den Bordküchenbereich. Ihr Erstaunen war groß, weil ich ihnen putzmunter entgegen kam und partout nicht auf der Tragbahre aus dem Flugzeug getragen werden wollte. Es nützte auch nichts, dass ich ihnen diesmal in meiner Muttersprache verständlich machen wollte, es sei bestimmt keine Herzattacke. Es reicht, wenn sie mich sitzend ins Flughafengebäude fahren würden. Vergebens. Ich musste mich auf das Notbett im Sanka legen. Sechsmal! klickten die Haltegurtschnallen und ich war völlig bewegungsunfähig festgezurrt. Wieder redete ich mir ein, es sei doch nur ein Traum. Sicher wache ich gleich auf. Dann ist der Spuck vorbei. Stattdessen ging es mit Blaulicht – ich sah es, weil es sich an den Flugzeugen an denen wir vorbei fuhren reflektierte – zum Flughafengebäude. Im Laufschritt schoben mich die drei Sanitäter zwischen wartenden Menschenschlangen an den Ticketschaltern hindurch – Monika, die mit dem Fahrer mitgefahren war, hatte Mühe mit unserem Handgepäck mitzukommen – zum schon wartenden Notarzt im medizinischen Flughafencenter. Ohne erst zu fragen, was mit mir los sei – Schmerzen hatte ich schon seit der Untersuchung des amerikanischen „Nervenarztes“ nicht mehr – kam ich an den „Tropf“. Es sei ein blutverdünnendes Mittel mit schmerzstillendem Novalgin, wurde mir gesagt. Eine Assistenzärztin nahm mir immer wieder beängstigende Mengen Blut ab. Die oft wiederholten EKG-Auswertungen ergaben überhaupt keine Anzeichen eines Herzanfalls. Nach drei Stunden wurde dies endgültig bestätigt durch eine Express-Laboruntersuchung in der man keinen einzigen Hinweis im Blut auf ein verstopftes Herzkranzgefäß fand.
Mit der Diagnose einer „Verspannung“ im linken Brustmuskel und einem Untersuchungsbericht an meinem Hausarzt durften wir endlich den ersehnten schwäbischen Boden (ohne! Passkontrolle) mit eigenen Füßen betreten.
Meinem Hausarzt kann ich irgendwann endlich die wahre Ursache meiner „Herz“-Schmerzen erzählen, die mir der amerikanische „Lebensretter über den Wolken“, selbst wenn ich seiner Sprache 100% mächtig gewesen wäre, sowieso nicht geglaubt hätte:
Also am Morgen des Abflugtages in Miami hatte ich in Anbetracht der langen Bewegungsarmut bei einem interkontinentalen Flug mir es noch mal so „richtig gegeben“. Im Fitnesswahn bin ich zur frühen Stunde im menschenleeren Hotelpool so schnell und lange gekrault, als ob ein Rudel Haie hinter mir her wäre. Tja und da muss ich es wohl ein bisschen übertrieben haben. Ein ausgewachsener Muskelkater speziell im linken Schulterbereich sorgte letzten Endes für diesen ungewöhnlichen, völlig individuellen Heimflug.
Inzwischen haben wir einigermaßen erfolgreich mit „Zwiebelrostbraten, Spätzle und Butterbrezle, sowie ein paar Trollinger Viertele die Horrorheimfluggefühle und den Jetlag bekämpft.
Nur Monika ermahnt mich immer noch, wenn ich ihr beim Tischabräumen helfe, ihr kostbares italienisches Porzellangeschirr nach wochenlangem amerikanischen Essen aus Papptellern (sogar in Frühstücks-Hotels) nicht auch aus Gewohnheit in den Abfalleimer zu werfen. 😉
Rolf grüßt allein, weil Moni dieses dramatische Ende unserer letzten Reise lieber nicht erwähnenswert findet. Dabei ist es doch ein tolles Beispiel zufälliger „Zwangsläufigkeit“.
PS.: Die nächste größere Reise ist im Juni geplant. Zeit genug um meine „unglaublichen“ und „reisefieberansteckenden“ Newsletter abzubestellen, bevor ich die Adressen aus dem Verteiler nehme. Hoffe aber, das sich diejenigen Freunde, deren Feedback ich vermisst habe nur aus Zeitmangel nicht geschrieben haben und keine ernsteren Dinge unseren Kontakt verhindert haben.
25. März 2014
